Aktuell aus dem Jahr 2003:

   

Neue Gesellschaft für Literatur e.V.; aus: Programm August 2002 (online)

NGL, 27. September, 20 Uhr

 „Literaturvergnügen statt Badespaß“ – Literaturnacht im Stadtbad Oderberger Straße

Mit der einzig- artigen Literaturnacht „Literaturvergnügen statt Badespaß“ bringt die NGL Literatur an einen der ausgefallensten Veranstaltungsorte der Stadt: in das alte Stadtbad Oderberger Straße. Das zur Zeit leerstehende, 1902 vom damaligen Berliner Stadtbaudirektor Ludwig Hoffmann im Neo-Renaissancestil entworfene Stadtbad, steht seit April diesen Jahres bis zum Beginn der geplanten Sanierung zur kulturellen Zwischennutzung zur Verfügung. Noch nie zuvor wurde hier eine Literaturnacht in solch einem Rahmen präsentiert! Das Stadtbad hat sich mittlerweile zu einer angesagten, szenigen und „jungen“ Kulturstätte entwickelt, an dem zwar Ausstellungen, Theateraufführungen, szenische Lesungen und Partys, jedoch bislang keine großen Literaturevents stattgefunden haben. Bis in die Nacht hinein wird hier die lebendige Literaturszene des Prenzlauer Berg an einem Ort präsentiert. Das Publikum sitzt dabei im leeren Becken des alten Stadtbades. Die/der AutorIn sitzt erhöht über dem Publikum am Beckenrand. Es lesen u.a. Ahne, Tanja Dückers, Andreas Gläser, Wladimir Kaminer, Till Müller-Klug, Jochen Schmidt, Jana Simon . Eintritt: 6 ¥. Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Genossenschaft Stadtbad Oderberger Straße e.G.

   

 

Morgenpost 24.08. 2002

Manchmal stimmt zuviel Unheimlicher Treffer: Boris Blachers Oper «Die Flut» im Stadtbad Prenzlauer Berg

Die Flut ist ausverkauft. Schlangestehen nützt bei der Premiere nichts mehr, alle Kurzentschlossenen müssen draußen bleiben. Vor dem morbiden, seit Jahren vor sich hindämmernden ehemaligen Stadtbad Oderberger Straße in Prenzlauer Berg.
Man gibt «Die Flut»: eine selten gespielte Oper von Boris Blacher um eine lebensübersatte, aber erlebnishungrige Reisegruppe, die sich von einem Fischer zu einem Schiffswrack führen lässt. Das flutende Unglück kommt, aber nicht etwa chaotisch und schnell, sondern - verkörpert von dem in Kachel-Gewänder gehüllten, geisterhaften Chor - geradezu gemessenen Schrittes, und findet ein namenloses Menschen-Chaos vor: Die schöne, junge Frau (plastisch: Lilia Milek) liebt ihren reichen Bankier (mit geradlinigem Bass: Ganadijus Bergorulko) nicht mehr, wohl aber sein Geld; der junge, schnöselige Mann (Marcel-Benedikt Sindermann) bedrängt die Frau, und einzig Frau und Fischer (Tobias Müller-Kopp) scheinen sich einig. Liebesbegehr und Geldgier ringen einen kurzen Kampf, in böser Vorhersehbarkeit siegt das Geld. Übrig bleibt, als das Wasser weicht, der verlassene Fischer und träumt in einer unendlich zarten Arie vom Glück.
Doch bevor das Publikum um das leere Schwimmbecken herum Platz nehmen kann, strömt es selbst durch die Bade- und Umkleideräume wie durch den Bauch eines vergessenen Schiffes. Neben den verstaubten Wannen von einst, verteilt auf die einzelnen Parzellen, zirpt das in Bademäntel gehüllte Emsemble Mosaik zu den Diaprojektionen (Kai von Kröcher) atonale Klänge - wie von verrosteten, einsamen Maschinen. Unheimlich, wie sie sich zusammenfinden: dieser seltsame Ort, die zeitentrückte Musik (Leitung: Chatschatur Kanajan) und die Bilder von regennassen Autobahnen, Reportern im Regen und schönen Landschaftsmotiven.
Inszeniert hat den grandiosen Spuk die junge Regisseurin Heidi Mottl, Urenkelin von Fritz Mottl, der einst Richard-Wagner-Uraufführungen dirigierte. An einem Ort, der in seiner sakralen Strenge gebietet, Theater und Oper als Abkömmlinge kultischer, (seelen-) hygienischer Riten zu begreifen. Der Putz schält sich hier von den Wänden, die Uhr oben am Gewölbe blieb eines fernen Tages um sieben Minuten nach sechs stehen, eine unvollendete Häutung steht im Raum. Über den Köpfen der Zuschauer flattert eine Fledermaus ihre gruseligen, das Operettenhafte zitierenden Kreise.
Und die Musik? Sie schraubt sich in die Gehörgänge, Walzertakte stolpern, Harmonien gieren nach Zerstörung. Manchmal stimmt einfach alles, manchmal stimmt sogar zuviel. In Deutschland brechen die Dämme, und die trocken gebliebene Hauptstadt zeigt «Die Flut». Die erste Oper ausgerechnet, die nach dem Zweiten Weltkrieg an der Dresdner Staatsoper uraufgeführt wurde, die noch mit dem Wasser zu kämpfen hat. Zynisch? Prophetisch? Zufällig? Dem gestiegenen Moralpegel der Öffentlichkeit jedenfalls zeigt das Stück - nach einjähriger Reifezeit ernst, exakt und klug in Szene gesetzt - seine klare Stirn. Sieht ganz nach einem unheimlichen Treffer aus.

   

 

Tagesspiegel 24.08. 2002

Waschen, töten, lieben Boris Blachers Echt-Zeitoper „Die Flut“ im Berliner Stadtbad Oderberger Straße

Wenn die Flut steigt, verlieren die Konventionen ihre Geltung. Solange an Rettung geglaubt wird, kann das zu Solidarität führen. Geben sich die Menschen verloren, regiert nur noch die Emotion ihr Tun – Liebe, Hass, Gier. Den ersten Fall haben wir eben in Wirklichkeit erlebt. Der zweite ist Stoff fürs Kino – Titanic! – und für die Oper, die wie keine andere Kunstform ins Innere des Menschen schauen kann. In Boris Blachers Echt-Zeitoper „Die Flut" von 1947 gehen vier Menschen bei Ebbe auf ein altes Wrack hinaus und versäumen, rechtzeitig den Rückweg anzutreten. Während die Flut steigt, verliebt sich die saturiert gelangweilte Städterin in den armen Fischer, der Dandy legt den Bankier um und geht, nachdem die Flut wider Erwarten zurückgegangen ist, mit dessen Geld und der Frau an Land.
Doch das kommt erst später, zuerst gibt es im Stadtbad Oderbergerstraße einen „Prolog auf dem Trockenen". Früher suchte man in der „öffentlichen Reinigungsanstalt" nicht primär körperliche Ertüchtigung, sondern eine Möglichkeit, sich zu waschen. Dafür gab es in langen Gängen aufgereihte Zellen mit Wannenbädern. In der „räumlichen Komposition" von Chatschatur Kanajan, der auch die musikalische Leitung des Abends innehat, sitzen in diesen Zellen Musiker. Der Wechsel der projizierten Dias (Kai von Köcher) - vom Badestrand bis zum verregneten Zugfenster - gibt die Struktur vor. Kurz angerissene, zitternde Einzeltöne irren durch den Raum. Tropfgeräusche kehren in einer neuen Existenzform ins Bad zurück. Das Premierenpublikum ist in diesem Moment allerdings noch mit Promi-Spotting beschäftigt, beruhigt sich erst in der Schwimmhalle. Der erhabene Raum, der die Architektur einer Renaissancekirche zitiert, ist von bläulichem Licht erfüllt, das die abblätternde Farbe in ein morbides Relief verwandelt. Man setzt sich um das leere Becken. An dessen tiefster Stelle ist das Orchester, das „Ensemble Mosaik", platziert, davor liegt wie ein gestrandeter Wal der umgekippte Bug des Wracks.
So schwierig die akustischen Verhältnisse in dem Raum sind (Texteinblendungen helfen immerhin, die Handlung zu verstehen), so aufregend sind die Möglichkeiten für Regie (Heidi Mottl) und Choreografie (Andrea Heil). Der Chor erscheint auf der Empore, in den seitlichen Wandelgängen, dann mitten im Bühnengeschehen und singt (die Oper war ursprünglich fürs Radio konzipiert) Regieanweisungen: „Der junge Mann stürzt mit allen Zeichen der Erregung zu den andern." Zum Glück unterwandert die Regie diese Vorschriften subtil. Die vier Sänger drängen sich auf dem engen Territorium des Schiffsbugs. Lilia Milek wandelt sich in den Armen des unbedarft staunenden Fischers (Tobias Müller-Kopp) von der imprägnierten Schönheit im Regenmantel zur hefig Liebenden. Der schmierige Dandy (Marcel Benedikt Sindermann) gibt den Blick frei in seine inneren Abgründe, als er den Bankier (Genadijus Bergorulko) kaltstellt.

Das Ensemble erweckt Blachers lange nicht gespielte – beschwingt atonale, publikumsfreundliche – Oper zu kraftvollem Leben. Doch die größte Leistung ist die Fähigkeit aller Beteiligten, auf die Primadonna des Abends einzugehen: das Oderberger Bad.



 

taz   23.08. 2002

Wieder aufgetaucht

Im Stadtbad Oderberger Straße ist die Boris-Blacher-Oper "Die Flut" zu hören
Es ist natürlich der Zufall, der mit gut abgehangenem Zynismus prima Schlagzeilen fürs Werbekonzept vorschlägt. Endlich mal Oper, ganz zeitnah: "Die Flut kommt auch nach Berlin" wäre zum Beispiel so ein Vorschlag. Und dann müsste in einem Nebensatz eingeflochten sein, dass die Oper dieses Namens pikanterweise an der Staatsoper von Dresden uraufgeführt wurde. 1947, als erste Oper nach dem Zweiten Weltkrieg. Dass das Werk von Boris Blacher im Untertitel "eine Echt-Zeitoper" genannt wird, mag weiter verwirren, soll aber nur darauf verweisen, dass hier die Spieldauer der Oper identisch mit der erzählten Zeit ist. Natürlich spielt "Die Flut" auf eine Katastrophe hin: Erzählt wird die Geschichte von zwei Männern und einer Frau, die sich als Katastrophentouristen auf einem Schiffwrack vergnügen wollen und sich dabei in einem Beziehungsgeflecht verheddern, während das Wasser wieder bedrohlich steigt. Symbolträchtig auch der Aufführungsort der Oper unter der Regie von Heidi Mottl: das Stadtbad Oderberger Straße, das noch einmal in seinem morbiden Charme bewundert werden kann, bevor im nächsten Jahr die Renovierungsarbeiten beginnen sollen. In einem Vorspiel mit der räumlichen Komposition "Vor der Flut" von Chatschatur Kanajan wird das einstige Schwimmbad in einem Parcours durch ansonsten verborgene Gänge noch musikalisch ausgekundschaftet.



 

Morgenpost 21.08. 2002

Märchenhaft, aber böse

Seltsam makabre Stimmung bei den Proben: Heidi Mottls Inszenierung von Boris Blachers Oper «Die Flut» wurde von der Wirklichkeit eingeholt

«Mein Wille ist es, immer den Grund zu finden, warum ein Stück jetzt und heute relevant ist», sagt die 1972 geborene Regisseurin Heidi Mottl. Für die Oper «Die Flut» von Boris Blacher - morgen hat das Stück im Stadtbad Oderberger Straße Premiere - hätte der Zeitpunkt treffender nicht sein können. Ganz zu schweigen davon, dass «Die Flut» 1947 als erste Oper nach dem Zweiten Weltkrieg ausgerechnet an der Dresdner Staatsoper uraufgeführt wurde, die jetzt unter Wasser steht.
Eine «seltsam makabre Stimmung» habe sich seit der Hochwasserkatastrophe in die Probenarbeit eingenistet, sagt die Regisseurin. Spontan habe das Ensemble beschlossen, je einen Euro pro Eintrittskarte den Flutopfern zu spenden. Als Heidi Mottl, die zuletzt an der Neuköllner Oper den Publikumserfolg «Herz über Bord» von Eduard Künneke inszenierte, vor einem Jahr der Gedanke kam, sich mit diesem «viel zu selten gespielten Stück» zu befassen, konnte sie nicht ahnen, welch beklemmende Aktualität auf sie wartete.
Die Urenkelin Fritz Mottls, der Richard Wagner-Uraufführungen dirigierte, war vielmehr fasziniert von der märchenhaften, aber «bösen Geschichte», wie sie sagt. Einer zynischen Parabel um Katastrophen-Tourismus als Symptom einer dekadenten Gesellschaft, die selbst in der Katastrophe mündet.
Zwei Männer und eine Frau, des Großstadtlebens überdrüssig, suchen nach neuen Nervenkitzeln. Von einem Fischer lassen sie sich zu einem alten Schiffswrack führen, das einst unter ungeklärten Umständen gekentert ist. Dort ganz mit sich und ihren Beziehungsanalysen beschäftigt, bemerken sie nicht, dass erneut das Wasser steigt - sie sitzen in der Falle. In der Falle ihrer angestauten Gefühle und ungelebten Träumen sowieso, doch nun, angesichts des Todes, reißen sie einander ungehemmt die gesellschaftlichen Masken vom Gesicht und die Kleider vom Leib. Als die Flut zurückweicht, sind zwei aus der Gruppe auf der Strecke geblieben.
Um Überinterpretationen solcher Zufälle macht Mottl einen großen Bogen. Aber Zusammenhänge wie dieser gefallen ihr: dass der Komponist im nächsten Jahr 100 Jahre alt geworden wäre und so ein Jahr jünger ist als der Aufführungsort. Bodenständigkeit sei für sie notwendige Grundlage «gerade des Musiktheaters». Übergewichtige 60-jährige «jugendliche Liebhaber» wolle heute niemand mehr sehen. Glaubwürdig und unmittelbar solle es bei ihr zugehen. Deshalb werden die Zuschauer im ersten Teil der «Flut» zunächst durch die sakralen, morbiden Räume geführt, flankiert von Diaprojektionen, bevor im Schwimmbecken das Unglück seinen Lauf nehmen wird.

 


 

Morgenpost 18.07. 2002

Apokalypse als göttlicher Auftrag

Monolog
Der Mittdreißiger Thomas lebt in einer kleinen irischen Stadt. Überall, wo er hinsieht, blickt er auf moralischen Zerfall. Zugleich steigert er sich in ein größenwahnsinniges Sendungsbewusstsein hinein. Als ihm ein Mädchen den Laufpass gibt, glaubt er, den göttlichen Auftrag ausführen zu müssen, die Bewohner seines Städtchens in einer Apokalypse zu vernichten . . .
«Misterman» heißt der Theater-Monolog des Iren Enda Walsh, der jetzt unter der Regie von Eva Jankowski im Stadtbad Oderberger Straße aufgeführt wird.


 


 

Berliner Zeitung 15.07. 2002

Vielleicht steckt Ironie drin        Ab wann ist Wasser nass? Kunst im Stadtbad Oderberger Straße

Im stillgelegten Bad in der Oderberger Straße in Prenzlauer Berg veranstalteten am Wochenende Angehörige der Fächer "Spiel und Bühne", "Experimentelle Musik" und "Plastisches Gestalten" der Universität der Künste Berlin ihre Aktion. Der Titel: "tauchtauch tonstobtotrot - lautbaden in bad schau". Flaschenbier trinkende Mädchen amüsieren sich am Beckenrand, schubsen mit Wasser gefüllte Plastbeutel an und kichern. Mädchen in Mädchengesellschaft sind leicht zu amüsieren. Dem Rezensenten fällt das Amüsement schwerer. Das ehemals schöne Bad ist in einem erbärmlichen Zustand: baufällig und dreckig, die Wandkacheln beschmiert mit Schrift und Symbolen.

Über die Szene hat man einen Badelärm klanginstalliert, wie er hier nie geherrscht hat. Zwischen dem Schmutz haben die Studenten und ihre Lehrer sich selbst verwirklicht: Auf einer Papierbahn im Frauenduschraum, steht: "Protokoll ... Punkt, Punkt, Punkt, Modul: kleiner Bestandteil eines Größeren; vernetzte Teile einer Maschine; interne Komplexität vgl. externe Komplexität, ,Netzwerk , Flexibilität, Müllkurve, Oskar" usw. Hier steckt vielleicht Ironie drin. Vielleicht.

Wo früher die Umkleidekabinen waren, stehen Fernseher, in denen weiß gekleidete Studenten mit Perücken durch Badewannen springen. Einige haben sich als Putzfrauen verkleidet, also Dederonschürzen an, und gehen energisch ums Becken. Der Bademeister in Weiß ruft, dass sich die Leute an den Rand vom tiefen Teil des Beckens setzen sollen und erklärt: "Vielleicht können wir den Nichtschwimmerbereich etwas entzerren." Eine Studentin versucht in einer ironischen ("Ab wann ist Wasser wirklich nass?") Führung den Eindruck von Wasserproblemen in einem Heilbad zu erwecken. Auf einem Barfußgang kann man mit geschlossenen Augen über Gras, Rinde, Steine usw. laufen. Es wird viel geschmunzelt.

Eine Putzfrau sagt zur anderen: "Ich kann nicht unterscheiden, was hier Dreck ist und was Installation." Dem ist nichts hinzuzufügen, außer die bittere Einsicht über diese Leistungen einer Kunst-Universität, die diese Installation genannte Armseligkeit öffentlich herzeigt, statt sich ihrer zu enthalten.

 


 

Morgenpost 12.07. 2002

Gurgelndes Wasser, quietschende Latschen: Baden in Lauten    Klang-Performance

Rein ins Stadtbad Oderberger Straße. Rein in den Bade-Dress. Rein ins Wasser. Halt, Stopp. Wasser zum Schwimmen gibts hier schon seit 1987 nicht mehr. Dafür wird ab heute für drei Tage zumindest akustisch der Badebetrieb wieder aufgenommen. Wir hören Stimmengewirr. Ein Bademeister maßregelt einen kleinen frechen Bengel. Vier Mädels kichern und kreischen. Planschen. Gurgelndes Wasser am Beckenrand. Badegäste lustwandeln in schlappenden, teils vor Nässe quietschenden Badelatschen.

Der Auftakt zum Heilbadebetrieb ohne Wasser. Den hat eine Künstlergruppe der UdK ausgeheckt. Die Aktion nennt sich «tauchtauch tonstobtotrot - lautbaden in bad schau». Statt Wasser gibts halt Laute. Nonverbale Laute, Laut(e)-Klanginstallationen, stumme Lautbilder. Als Performance, Musiktheater, Installation, Film.

Als Szenarien dienen das trocken gelegte Schwimmbecken ebenso wie der «Barfußgang», das Damen-WC, der «Männerwarteraum», die Umkleidekabinen und auch die vielen, vielen Badewannenkabinen, die zur Eröffnung der «Volksbadeanstalt Prenzlauer Berg» 1902 lange Zeit noch rege genutzt wurden.

Vom Beckenrand aus kann das Publikum Mauricio Kagels «Pas de cinq» (1965) verfolgen. Fünf Darstellerinnen gehen, hinken, schleichen mit Regenschirm auf einem Fünfeck. Der Untergrund ist mit Styropor, Papier, Plastik ausgelegt - die Laute ändern sich stets.

Im dunklen Umkleideraum kann das Publikum auf Kinosesseln Sequenzen um eine kreischende Krankenschwester des Heilbadebetriebs verfolgen. Oder aber eine Treppe höher den Klängen lauschen, die Schlagzeuger Tobias Dutschke den Badewannenkabinen entlockt - mit Hilfe von Flummies, Ziegeln, Eimern, Steinen, Wasser, Kissen . . .

 


 

Tagesspiegel 06.07. 2002 (Ausschnitt)

 

Galaktische Explosionen

 

Das Berliner Musikfestival „Inventionen“ erfüllt zum 20. Mal die Stadt mit fremden, faszinierenden Geräuschen

 

Es brummt und faucht, es blitzt und funkelt aus allen Fugen und Ritzen des alten Gemäuers - die ehrwürdige Staatsbank, in der Westbesucher zu DDR-Zeiten klopfenden Herzens die Reste vom „Zwangsumtausch“ zu deponieren hatten, ist nicht wieder zuerkennen. Zurzeit beherbergt sie den Großteil der siebzehn Klanginstallationen, die das Festival „Inventionen“ an sechs verschiedenen Orten entlang der U-Bahnlinie 2 platziert hat - vom Haus des Rundfunks bis zum Stadtbad Oderberger Straße.

 

Dort wurde Robin Minards „SoundBits O1"-Projekt in Auftrag gegeben, 576 aus dem großen Schwimmbecken an dünnen Strippen pflanzenhaft hervorwuchernde Minilautsprecher voll leise wispernder, plätschernder Klänge: Natur als Kunst, Kunst als Natur. Im Heizkeller des 100-jährigen Gebäudes dagegen versetzt Terry Fox die mächtigen Wasserrohre in dumpfe Vibration und den Besucher quasi in den dampfenden, stampfenden Lokomotivenbauch aus Franz Kafkas „Amerika".

 


 

Morgenpost 26.06. 2002 (Ausschnitt)

Klangfelder aus Knacklauten    Sound-Installationen bei «Inventionen 2002»   

Quer durch die Stadt, entlang der U-Bahn-Linie 2 von Charlottenburg bis Prenzlauer Berg ziehen die «Inventionen 2002» ihre Klangspur. Klang-Installationen, diesmal 17 an der Zahl, sind von jeher einer der Schwerpunkte dieses nun seit mittlerweile 20 Jahren bestehenden Festivals. Elektro-akustische Musik und «intermediäre», das heißt grenzüberschreitende Performancekunst, waren und sind die anderen.
Schleichend starten die «Inventionen» heute mit den Eröffnungen der Video/Klanginstallationen von David Behrman in der Parochialkirche und in der daad-galerie mit den computergesteuerten Tropf-Rhythmen von Gordon Monahan, sowie morgen im Stadtbad Oderberger Straße und in der staatsbankberlin.
Die «Inventionen» sind kein Neue-Musik-Festival «wie jedes andere», es hat eigentlich Berlin zur deutschen Hauptstadt der experimentellen Musik gemacht. Der größte Dank gilt seinem Veranstalter, dem Künstlerprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Er hat konsequent den fortschrittlichsten Künstlern und Komponisten in Berlin ein Arbeitsumfeld geboten und damit die hiesige Szene mit kreativen Lauffeuern überzogen, die alle noch brennen.
 

In diesem Jahr steht zu vermuten, dass es der sorgfältige und kritische Umgang mit den in der Szene übergewichtig gewordenen elektronischen Mitteln ist. Analyse, Filterung und Vereinfachung ist die Devise, die Rückbesinnung auf die Klangstrukturen der Natur, beispielsweise in den Klangfeldern aus Knacklauten bei Robin Minards «SoundBits 01» im Stadtbad Oderberger Straße.

 


 

Neues Deutschland 18.04.02

Ein Hallenbad auf dem Trockenen: Vorerst schwimmt man hier nur in Kultur

Vor einhundert Jahren wurde das Stadtbad in der Oderberger Straße als »Volksbadeanstalt Prenzlauer Berg« feierlich eröffnet. Betritt man heute das Neo-Renaissancegebäude, dann braucht man keinen Badeanzug dabei zu haben, denn Wasser plätschert seit über 15 Jahren nicht mehr im knapp 25 Meter langen Becken. Statt dessen ziehen sich Risse durch Dach und Wände, die Farbanstriche kringeln sich in bizarren Mustern gen Fußboden. Seit der Wende kämpft eine Bürgerinitiative um die Komplettsanierung und Neueröffnung der atmosphärischen Schwimmhalle. Inzwischen wurde eine Genossenschaft gegründet, die derzeit fast tausend Mitglieder zählt. Sie alle packen freiwillig mit an. So wurde bereits aus eigenen Mitteln für 20000 Euro das Dach repariert. Im Februar konnte die Genossenschaft das Gebäude erwerben und will mit der denkmalsgerechten Rekonstruktion im kommenden Jahr beginnen. Im Moment gibt es aber weder ein konkretes Sanierungs- noch Finanzierungskonzept. »Bis Ende Mai werden wir die Fördermittel bei der EU beantragen. Angemeldet sind sie schon«, teilte Vorstandsmitglied Wolfgang Karfus mit. Nach Vorstellung der Genossenschaft sollen die Gelder zu gleichen Teilen aus der EU, einem Immobilienfonds und einem Kredit fließen. Zudem will die Landesdenkmalpflege Teile des Gebäudes restaurieren. Die Architektenauswahl für die Umgestaltung scheint schwierig, die Bewerberzahl ist groß. »Aber uns ist mehr wichtig als technisches Wissen. Der künftige Architekt muss das Haus lieben«, so Eva Jankowski vom Aufsichtsrat.Bis zum Baubeginn finden Künstler hier eine Plattform. Eine ungewöhnliche wie eigennützige Idee. »Wir möchten im Gedächtnis bleiben. Zudem fallen täglich 200 Euro Betriebskosten an, die gedeckt werden müssen«, erklärte Eva Jankowski. Wolfgang Karfus dazu: »Wir fluten das Bad, und zwar mit Kunst«. So ist zurzeit die Ausstellung »Freischwimmer« mit Bildern, Skulpturen, einer Klanginstallation und sprechenden Handtuchspendern zu besichtigen. Auf dem Boden des trockenen Schwimmbeckens liegen blaue Flächen, die mal zum Infocontainer »Wasserwürfel« gehörten. Auseinander genommen, bewässern sie nun symbolisch das Bad.

Nach diesem Projekt werden eine Fotoausstellung, Modenschauen, Tanzdarbietungen und sogar eine Oper zu sehen sein. Das Bad in seiner eigentlichen Bestimmung soll, durch Saunalandschaften, Wellnessbereich, Gastronomie und kulturelle Ereignisse ergänzt, spätestens im Jahr 2007 seine Türen öffnen.

 


 

Scheinschlag Ausgabe 03/02

Kunstaktion

Seit 15 Jahren fließt im Stadtbad Oderberger Straße das Wasser allenfalls durch das Dach. Bis zu ihrer Sanierung werden die trockenen Becken darum kulturell genutzt. Den Anfang macht eine Gruppe Künstler, die dort im April Objekte, Malerei und Installationen präsentiert. Zur Ausstellungseröffnung der Eröffnungsausstellung gibt es Party, zur Finissage ein Konzert ­ es ist für alle was dabei. Damit auch die Liebhaber der Badekultur auf ihre Kosten kommen, hat man auf einen thematischen Bezug geachtet: Die Ausstellung trägt den sinnigen Titel „Freischwimmer". Stadtbad Oderberger Straße, vom 6. bis zum 24. April. Finissage: 21. April, 21 Uhr.

 


 

Berliner Zeitung 02.02. 2002

Das Stadtbad bekommt eine Luxussanierung / Anwohner bauen Gebäude zum Wellness-Center um

Mit diesem Anruf hatte Bernd Holtfreter nicht gerechnet. Ein Mitarbeiter des schwäbischen Designers Hugo Boss erkundigte sich nach dem Stadtbad in der Oderberger Straße. Man sei auf der Suche nach einem tollen Ort für eine Modenschau. Der Gedanke gefiel Holtfreter, Chef der Genossenschaft "Stadtbad Oderberger Straße": Ein Laufsteg würde sich in dem 1986 trocken gelegten Becken gut machen. Holtfreter hat auch schon Anmeldungen für eine Oper und ein Theaterstück, für Ausstellungen und sogar für eine Trauung in dem alten Bad. Für ein Jahr wird sich das graue Gemäuer an der Oderberger Straße zu einem Kultur- und Veranstaltungsort verwandeln, bevor es dort mit der Sanierung los geht. Seit Freitag ist die Genossenschaft Eigentümerin des seit dem 1. Februar 1902 bestehenden Stadtbades. 100 000 Euro hat sie als Kaufpreis an den Liegenschaftsfonds des Landes Berlin überwiesen. Damit hat sie ihr erstes Ziel erreicht: Denn seit zehn Jahren bemühen sich Anwohner der Oderberger Straße darum, dass das Stadtbad, das seit 1986 trocken liegt, wieder eröffnet wird. Der Bezirk und die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung sowie Wirtschaft hatten sich schließlich für den Verkauf an die Genossenschaft zu übertragen.

Betreiber kommt aus der Schweiz

Entscheidend dafür waren unter anderem die Pläne für die Nutzung: Das Gebäude wird nicht nur denkmalgerecht saniert. Es soll dann zu einer Art Wellness-Tempel werden - eine Saunalandschaft, ein Wellness- und-Fitness-Center, ein Restaurant sowie mehrere Läden sind geplant. Mit dem Schweizer Badtechnik-Ausstatter Harald Kannewischer steht auch der künftige Betreiber für die einstige Volksbadeanstalt fest: Mindestens zehn Jahre lang will der Unternehmer aus dem Ort Zug das Bad mieten und 40 neue Arbeitsplätze zu schaffen. "Solche Garantie ist wichtig, damit wir Kredite aufnehmen können", sagt Genossenschafts-Chef Holtfreter. Nach den Planungen kostet die Sanierung des vom damaligen Berliner Stadtbaudirektor Ludwig Hoffmann entworfenen Bades rund 17,4 Millionen Euro. Ein Drittel des Geldes soll von der Bank kommen, ein weiteres Drittel erhofft sich die Genossenschaft aus EU-Fördermitteln. Den Restbetrag sollen Privatleute aufbringen, die Anteile in einem Immobilienfonds zeichnen. In den nächsten Monaten soll das Finanzierungskonzept entwickelt werden. Bis dahin will die inzwischen auf 900 Mitglieder gewachsene Genossenschaft ein Architekturbüro mit der Sanierungsplanung beauftragen. "Wenn alles klappt, können wir das Bad 2005 eröffnen", sagt Holtfreter. Als Erstes will er in ein paar Monaten die alte, seit Jahren geschlossene Sauna wieder in Betrieb nehmen: "Die steht dann den Bauarbeitern und unseren Mitgliedern zur Verfügung.

 


 

Tagesspiegel 02.02. 2002

Stadtbad Oderberger Straße vor der Sanierung / Genossenschaft übernimmt Gebäude / Anbaden für das Jahr 2005 geplant
 

Wie schön, wenn man zum 100. Geburtstag den Schlüssel für ein zweites Leben geschenkt bekommt. Dem historischen Bad in der Oderberger Straße ist dies Glück vergönnt: Am Freitagabend überreichte der Geschäftsführer des Berliner Liegenschaftsfonds, Holger Lippmann, den Schlüssel an Bernd Holtfreter von der "Genossenschaft Stadtbad Oderberger Straße e.G.Ü. Auf den Tag genau ein Jahrhundert nach der Eröffnung gehört das denkmalgeschützte Gebäude nun der Initiative, die sich seit elf Jahren um seine Rettung bemüht.

Gemeinsam mit dem Schweizer Bäderbetreiber Harald Kannewischer haben die Mitglieder - rund 750 sollen es sein - ein Sanierungskonzept entwickelt, nach dem im Jahr 2005 wieder Wasser ins Schwimmbecken einlaufen soll. Seit 1986 ist das prächtige Bad, dessen Inneres mit seinen reich verzierten Säulen, Wandelgängen und der Kreuzgratdecke wie eine Kirche anmutet, wegen Baumängeln geschlossen. Wellen schlug seitdem allenfalls der Zoff um die Sanierung. Der Putz bröckelt, die Farbe blättert. Nur die Graffiti-Schmierereien an Fassade und Fenstern sehen relativ frisch aus.

Während bei der Eröffnung 1902 noch der Kaiser Wilhelm II. persönlich anwesend war, erschienen zur jetzigen Schlüsselübergabe nur Kultursenator Thomas Flierl und dessen Kollegin Heidi Knake-Werner aus dem Gesundheitsressort. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse ließ sich von seinem Büroleiter entschuldigen; auch Bezirksbürgermeister Burkhard Kleinert hatte kurzfristig abgesagt. Dafür waren die auf dem zugigen Gehweg vor der düsteren Renaissance-Fassade gehaltenen Schlüsselübergabefestreden erfreulich kurz. Alle Ehrengäste lobten das zähe Engagement der Genossenschaft und wünschten baldiges Anbaden. Doch vor dem Badewasser wird viel Schweiß und noch mehr Geld in das Stadtbad fließen müssen.

 


 

Tagesspiegel 09.01.2002

Der Wassermann  - Bernd Holtfreter will das einmalige Stadtbad an der Oderberger Straße retten 

Bernd Holtfreter ist auf der Suche. Irgendwo in Kaulsdorf sollen sie lagern, die beiden gusseisernen Tore, die früher das Stadtbad in der Oderberger Straße schmückten. Rechts lag das für die Mädchen und links das für die Jungen. Bevor das Stadtbad bezahlt wird, sollen die Tore gefunden sein. Noch in diesem Monat will die Genossenschaft "Stadtbad Oberberger Straße" die 135 000 Euro überweisen, um dann das 100-jährige Jubiläum der Eröffnung des Bades am 1. Februar richtig feiern zu können. Grund genug gibt es: Seit fast 15 Jahren ist das Bad geschlossen, aber noch nie schien es der Wiedereröffnung so nahe wie jetzt.

Im Jahr 1902 wurde das Bad in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. feierlich eröffnet. Der prachtvolle Bau war nicht nur Volksbad, sondern vor allem Waschgelegenheit für die Bevölkerung. Mitte der achtziger Jahre wurde ein neuer Schornstein gebaut. Der war allerdings so schwer, dass er Risse im Schwimmbecken und in den Wänden verursachte. Am 10. Dezember 1986 wurde das Bad geschlossen. Noch am selben Tag gründete sich eine Anwohnergruppe, die sich für eine Wiedereröffnung einsetzte.

Bernd Holtfreter gehörte von Anfang an dazu. Er hat die jüngere Geschichte des Bades genau im Kopf. So plante schon der Ost-Berliner Magistrat 1987 eine Sanierung, mit der 1990 begonnen werden sollte. Dazwischen kam die Wende. Ein vom Senat beauftragter Architekt veranschlagte 45 Millionen Mark für die Sanierung, die 1996 beginnen sollte. Diesmal kam die Olympiabewerbung dazwischen. Neue Hallen wurden gebaut, für das Bad hatte die Stadt kein Geld mehr.

1995 gründete sich die Bürgerinitiative "Stadtbad Oderberger Straße" und erarbeitete eine abgespeckte Version ohne Whirlpools und Glasdächer für 28 Millionen Mark. Noch immer floss kein Geld von der Stadt. Der Kreis um Holtfreter plante eine zweite Version, diesmal mit einem integrierten Jugendhotel, damit sich das Bad später selbst tragen kann. Die Kosten für die Sanierung lagen nun bei 34 Millionen Mark, ein Finanzierungskonzept lieferte die Initiative mit. Ohne Erfolg, denn der Senat der mittlerweile bankrotten Stadt strich das Bad aus der Investitionsliste. Die Initiative suchte und fand andere Investoren. 35 Millionen Mark sollte die Sanierung in der dritten Version kosten: 15 Millionen Mark Kredit, zehn Millionen von der EU und weitere zehn Millionen aus einem Immobilienfonds. Im vergangenen Jahr wurde aus der Bürgerinitiative eine Genossenschaft - und die hat neben mehreren hundert Mitgliedern inzwischen auch einen Betreiber für das Bad gefunden: den Schweizer Harald Kannewischer. Der verdient sein Geld hauptberuflich als Ingenieur für Badtechnik und arbeitete an allen drei Sanierungsentwürfen der Bürgerinitiative mit. Ein Idealpartner also. Dass es mit Kannewischer während der Nutzung später Streit geben könnte, schließt Holtfreter, der lange Zeit gegen ein Luxusbad in der Oderberger Straße kämpfte, aus. Das jetzt geplante Bad mit Saunalandschaft und Whirlpools ist ein Kompromiss. Schließlich hätten sich mit den Bewohnern des Bezirkes auch deren Bedürfnisse geändert. Heute darf es ein bisschen mehr Luxus sein. Seit 30 Jahren wohnt der gelernte Landvermesser in der Oderberger Straße. Mit der Bürgerinitiative organisierte er im Stadtbad schon zahlreiche Veranstaltungen - um das Baudenkmal im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu halten, und weil es natürlich ein schöner Ort für Partys war. Dass er seit 1995 als baupolitischer Sprecher für die PDS im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt, hat neben politischen auch praktische Gründe. Er wisse immer, wer wo was bearbeite und kenne die Hintergründe. Noch ist dem Bad der zukünftige Luxus nicht anzusehen, lediglich der Prunk der Vergangenheit lässt sich erahnen: Großzügig fällt das Tageslicht durch die weiten Fenster auf das Schwimmbecken, die Galerie unter der verzierten Kreuzgratdecke ist einzigartig in einem Berliner Bad. Doch der Putz bröckelt, im Fußboden sind Löcher, an den Fenstern Graffiti. Und wenn das Bad nicht bald beheizt wird, droht die Gipsdecke herabzustürzen. In den ehemaligen Badzellen stehen verschmutzte Badewannen. Ein paar davon will die Genossenschaft zur Anschauung erhalten. Der Rest werde für die Saunalandschaft hergerichtet. In diesem Jahr wird die Sanierung des Bades in allen Details geplant, im nächsten kann es dann losgehen. Im Jahr 2005 soll das Bad wiedereröffnen.

Und was macht Kiezaktivist Holtfreter, wenn sein größtes Projekt realisiert ist? Es gebe noch genug zu tun, sagt er. Da wäre etwa das ehemalige Schulgelände nebenan. Wenn das Bad gut läuft, könnte man auch aus dem benachbarten Areal etwas machen. Ein Hotel vielleicht. Aber erst muss Holtfreter die Tore zum Stadtbad finden. 

 

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