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Neue Gesellschaft für Literatur e.V.; aus: Programm August 2002 (online) NGL, 27. September, 20 Uhr „Literaturvergnügen statt Badespaß“ – Literaturnacht im Stadtbad Oderberger Straße Mit der einzig- artigen
Literaturnacht „Literaturvergnügen statt Badespaß“ bringt die NGL Literatur
an einen der ausgefallensten Veranstaltungsorte der Stadt: in das alte
Stadtbad Oderberger Straße. Das zur Zeit leerstehende, 1902 vom damaligen
Berliner Stadtbaudirektor Ludwig Hoffmann im Neo-Renaissancestil entworfene
Stadtbad, steht seit April diesen Jahres bis zum Beginn der geplanten
Sanierung zur kulturellen Zwischennutzung zur Verfügung. Noch nie zuvor
wurde hier eine Literaturnacht in solch einem Rahmen präsentiert! Das
Stadtbad hat sich mittlerweile zu einer angesagten, szenigen und „jungen“
Kulturstätte entwickelt, an dem zwar Ausstellungen, Theateraufführungen,
szenische Lesungen und Partys, jedoch bislang keine großen Literaturevents
stattgefunden haben. Bis in die Nacht hinein wird hier die lebendige Literaturszene
des Prenzlauer Berg an einem Ort präsentiert. Das Publikum sitzt dabei
im leeren Becken des alten Stadtbades. Die/der AutorIn sitzt erhöht über
dem Publikum am Beckenrand. Es lesen u.a. Ahne, Tanja Dückers, Andreas
Gläser, Wladimir Kaminer, Till Müller-Klug, Jochen Schmidt, Jana Simon
. Eintritt: 6 ¥. Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Genossenschaft
Stadtbad Oderberger Straße e.G. |
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Morgenpost 24.08. 2002 Manchmal stimmt zuviel Unheimlicher Treffer: Boris Blachers Oper «Die Flut» im Stadtbad Prenzlauer Berg Die Flut ist ausverkauft. Schlangestehen
nützt bei der Premiere nichts mehr, alle Kurzentschlossenen müssen draußen
bleiben. Vor dem morbiden, seit Jahren vor sich hindämmernden ehemaligen
Stadtbad Oderberger Straße in Prenzlauer Berg. |
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Tagesspiegel 24.08. 2002 Waschen, töten, lieben
Boris Blachers Echt-Zeitoper „Die Flut“ im Berliner Stadtbad Oderberger
Straße |
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taz 23.08. 2002 Wieder aufgetaucht Im Stadtbad Oderberger Straße ist die Boris-Blacher-Oper
"Die Flut" zu hören |
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Morgenpost 21.08. 2002 Märchenhaft, aber böse Seltsam makabre Stimmung bei den Proben: Heidi Mottls Inszenierung von Boris Blachers Oper «Die Flut» wurde von der Wirklichkeit eingeholt «Mein Wille ist es,
immer den Grund zu finden, warum ein Stück jetzt und heute relevant ist»,
sagt die 1972 geborene Regisseurin Heidi Mottl. Für die Oper «Die Flut»
von Boris Blacher - morgen hat das Stück im Stadtbad Oderberger Straße
Premiere - hätte der Zeitpunkt treffender nicht sein können. Ganz zu schweigen
davon, dass «Die Flut» 1947 als erste Oper nach dem Zweiten Weltkrieg
ausgerechnet an der Dresdner Staatsoper uraufgeführt wurde, die jetzt
unter Wasser steht.
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Morgenpost 18.07. 2002 Apokalypse als göttlicher Auftrag Monolog
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Berliner Zeitung 15.07. 2002 Vielleicht steckt Ironie drin Ab wann ist Wasser nass? Kunst im Stadtbad Oderberger Straße Im stillgelegten Bad in der Oderberger Straße in Prenzlauer Berg veranstalteten am Wochenende Angehörige der Fächer "Spiel und Bühne", "Experimentelle Musik" und "Plastisches Gestalten" der Universität der Künste Berlin ihre Aktion. Der Titel: "tauchtauch tonstobtotrot - lautbaden in bad schau". Flaschenbier trinkende Mädchen amüsieren sich am Beckenrand, schubsen mit Wasser gefüllte Plastbeutel an und kichern. Mädchen in Mädchengesellschaft sind leicht zu amüsieren. Dem Rezensenten fällt das Amüsement schwerer. Das ehemals schöne Bad ist in einem erbärmlichen Zustand: baufällig und dreckig, die Wandkacheln beschmiert mit Schrift und Symbolen. Über die Szene hat man einen Badelärm klanginstalliert, wie er hier nie geherrscht hat. Zwischen dem Schmutz haben die Studenten und ihre Lehrer sich selbst verwirklicht: Auf einer Papierbahn im Frauenduschraum, steht: "Protokoll ... Punkt, Punkt, Punkt, Modul: kleiner Bestandteil eines Größeren; vernetzte Teile einer Maschine; interne Komplexität vgl. externe Komplexität, ,Netzwerk , Flexibilität, Müllkurve, Oskar" usw. Hier steckt vielleicht Ironie drin. Vielleicht. Wo früher die Umkleidekabinen waren, stehen Fernseher, in denen weiß gekleidete Studenten mit Perücken durch Badewannen springen. Einige haben sich als Putzfrauen verkleidet, also Dederonschürzen an, und gehen energisch ums Becken. Der Bademeister in Weiß ruft, dass sich die Leute an den Rand vom tiefen Teil des Beckens setzen sollen und erklärt: "Vielleicht können wir den Nichtschwimmerbereich etwas entzerren." Eine Studentin versucht in einer ironischen ("Ab wann ist Wasser wirklich nass?") Führung den Eindruck von Wasserproblemen in einem Heilbad zu erwecken. Auf einem Barfußgang kann man mit geschlossenen Augen über Gras, Rinde, Steine usw. laufen. Es wird viel geschmunzelt. Eine Putzfrau sagt zur anderen: "Ich kann nicht unterscheiden, was hier Dreck ist und was Installation." Dem ist nichts hinzuzufügen, außer die bittere Einsicht über diese Leistungen einer Kunst-Universität, die diese Installation genannte Armseligkeit öffentlich herzeigt, statt sich ihrer zu enthalten.
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Morgenpost 12.07. 2002 Gurgelndes Wasser, quietschende Latschen: Baden in Lauten Klang-Performance Rein ins Stadtbad Oderberger Straße. Rein in den Bade-Dress. Rein ins Wasser. Halt, Stopp. Wasser zum Schwimmen gibts hier schon seit 1987 nicht mehr. Dafür wird ab heute für drei Tage zumindest akustisch der Badebetrieb wieder aufgenommen. Wir hören Stimmengewirr. Ein Bademeister maßregelt einen kleinen frechen Bengel. Vier Mädels kichern und kreischen. Planschen. Gurgelndes Wasser am Beckenrand. Badegäste lustwandeln in schlappenden, teils vor Nässe quietschenden Badelatschen. Der Auftakt zum Heilbadebetrieb ohne Wasser. Den hat eine Künstlergruppe der UdK ausgeheckt. Die Aktion nennt sich «tauchtauch tonstobtotrot - lautbaden in bad schau». Statt Wasser gibts halt Laute. Nonverbale Laute, Laut(e)-Klanginstallationen, stumme Lautbilder. Als Performance, Musiktheater, Installation, Film. Als Szenarien dienen das trocken gelegte Schwimmbecken ebenso wie der «Barfußgang», das Damen-WC, der «Männerwarteraum», die Umkleidekabinen und auch die vielen, vielen Badewannenkabinen, die zur Eröffnung der «Volksbadeanstalt Prenzlauer Berg» 1902 lange Zeit noch rege genutzt wurden. Vom Beckenrand aus kann das Publikum Mauricio Kagels «Pas de cinq» (1965) verfolgen. Fünf Darstellerinnen gehen, hinken, schleichen mit Regenschirm auf einem Fünfeck. Der Untergrund ist mit Styropor, Papier, Plastik ausgelegt - die Laute ändern sich stets. Im dunklen Umkleideraum kann das Publikum auf Kinosesseln Sequenzen um eine kreischende Krankenschwester des Heilbadebetriebs verfolgen. Oder aber eine Treppe höher den Klängen lauschen, die Schlagzeuger Tobias Dutschke den Badewannenkabinen entlockt - mit Hilfe von Flummies, Ziegeln, Eimern, Steinen, Wasser, Kissen . . .
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Tagesspiegel 06.07. 2002 (Ausschnitt)
Galaktische Explosionen
Das Berliner Musikfestival „Inventionen“ erfüllt zum 20. Mal die Stadt mit fremden, faszinierenden Geräuschen
Es brummt und faucht, es blitzt und funkelt aus allen Fugen und Ritzen des alten Gemäuers - die ehrwürdige Staatsbank, in der Westbesucher zu DDR-Zeiten klopfenden Herzens die Reste vom „Zwangsumtausch“ zu deponieren hatten, ist nicht wieder zuerkennen. Zurzeit beherbergt sie den Großteil der siebzehn Klanginstallationen, die das Festival „Inventionen“ an sechs verschiedenen Orten entlang der U-Bahnlinie 2 platziert hat - vom Haus des Rundfunks bis zum Stadtbad Oderberger Straße.
Dort wurde Robin Minards „SoundBits O1"-Projekt in Auftrag gegeben, 576 aus dem großen Schwimmbecken an dünnen Strippen pflanzenhaft hervorwuchernde Minilautsprecher voll leise wispernder, plätschernder Klänge: Natur als Kunst, Kunst als Natur. Im Heizkeller des 100-jährigen Gebäudes dagegen versetzt Terry Fox die mächtigen Wasserrohre in dumpfe Vibration und den Besucher quasi in den dampfenden, stampfenden Lokomotivenbauch aus Franz Kafkas „Amerika".
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Morgenpost 26.06. 2002 (Ausschnitt) Klangfelder aus Knacklauten Sound-Installationen bei «Inventionen 2002» Quer durch
die Stadt, entlang der U-Bahn-Linie 2 von Charlottenburg bis Prenzlauer
Berg ziehen die «Inventionen 2002» ihre Klangspur. Klang-Installationen,
diesmal 17 an der Zahl, sind von jeher einer der Schwerpunkte dieses nun
seit mittlerweile 20 Jahren bestehenden Festivals. Elektro-akustische
Musik und «intermediäre», das heißt grenzüberschreitende Performancekunst,
waren und sind die anderen. In diesem Jahr steht zu vermuten, dass es der sorgfältige und kritische Umgang mit den in der Szene übergewichtig gewordenen elektronischen Mitteln ist. Analyse, Filterung und Vereinfachung ist die Devise, die Rückbesinnung auf die Klangstrukturen der Natur, beispielsweise in den Klangfeldern aus Knacklauten bei Robin Minards «SoundBits 01» im Stadtbad Oderberger Straße.
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Neues Deutschland 18.04.02 Ein Hallenbad auf dem Trockenen: Vorerst schwimmt man hier nur in Kultur Vor einhundert Jahren wurde das Stadtbad in der Oderberger Straße als »Volksbadeanstalt Prenzlauer Berg« feierlich eröffnet. Betritt man heute das Neo-Renaissancegebäude, dann braucht man keinen Badeanzug dabei zu haben, denn Wasser plätschert seit über 15 Jahren nicht mehr im knapp 25 Meter langen Becken. Statt dessen ziehen sich Risse durch Dach und Wände, die Farbanstriche kringeln sich in bizarren Mustern gen Fußboden. Seit der Wende kämpft eine Bürgerinitiative um die Komplettsanierung und Neueröffnung der atmosphärischen Schwimmhalle. Inzwischen wurde eine Genossenschaft gegründet, die derzeit fast tausend Mitglieder zählt. Sie alle packen freiwillig mit an. So wurde bereits aus eigenen Mitteln für 20000 Euro das Dach repariert. Im Februar konnte die Genossenschaft das Gebäude erwerben und will mit der denkmalsgerechten Rekonstruktion im kommenden Jahr beginnen. Im Moment gibt es aber weder ein konkretes Sanierungs- noch Finanzierungskonzept. »Bis Ende Mai werden wir die Fördermittel bei der EU beantragen. Angemeldet sind sie schon«, teilte Vorstandsmitglied Wolfgang Karfus mit. Nach Vorstellung der Genossenschaft sollen die Gelder zu gleichen Teilen aus der EU, einem Immobilienfonds und einem Kredit fließen. Zudem will die Landesdenkmalpflege Teile des Gebäudes restaurieren. Die Architektenauswahl für die Umgestaltung scheint schwierig, die Bewerberzahl ist groß. »Aber uns ist mehr wichtig als technisches Wissen. Der künftige Architekt muss das Haus lieben«, so Eva Jankowski vom Aufsichtsrat.Bis zum Baubeginn finden Künstler hier eine Plattform. Eine ungewöhnliche wie eigennützige Idee. »Wir möchten im Gedächtnis bleiben. Zudem fallen täglich 200 Euro Betriebskosten an, die gedeckt werden müssen«, erklärte Eva Jankowski. Wolfgang Karfus dazu: »Wir fluten das Bad, und zwar mit Kunst«. So ist zurzeit die Ausstellung »Freischwimmer« mit Bildern, Skulpturen, einer Klanginstallation und sprechenden Handtuchspendern zu besichtigen. Auf dem Boden des trockenen Schwimmbeckens liegen blaue Flächen, die mal zum Infocontainer »Wasserwürfel« gehörten. Auseinander genommen, bewässern sie nun symbolisch das Bad. Nach diesem Projekt werden eine Fotoausstellung, Modenschauen, Tanzdarbietungen und sogar eine Oper zu sehen sein. Das Bad in seiner eigentlichen Bestimmung soll, durch Saunalandschaften, Wellnessbereich, Gastronomie und kulturelle Ereignisse ergänzt, spätestens im Jahr 2007 seine Türen öffnen.
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Scheinschlag Ausgabe 03/02KunstaktionSeit 15 Jahren fließt im Stadtbad Oderberger Straße das Wasser allenfalls durch das Dach. Bis zu ihrer Sanierung werden die trockenen Becken darum kulturell genutzt. Den Anfang macht eine Gruppe Künstler, die dort im April Objekte, Malerei und Installationen präsentiert. Zur Ausstellungseröffnung der Eröffnungsausstellung gibt es Party, zur Finissage ein Konzert es ist für alle was dabei. Damit auch die Liebhaber der Badekultur auf ihre Kosten kommen, hat man auf einen thematischen Bezug geachtet: Die Ausstellung trägt den sinnigen Titel „Freischwimmer". Stadtbad Oderberger Straße, vom 6. bis zum 24. April. Finissage: 21. April, 21 Uhr.
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Berliner Zeitung 02.02. 2002 Das Stadtbad bekommt eine Luxussanierung / Anwohner bauen Gebäude zum Wellness-Center um Mit diesem Anruf hatte Bernd Holtfreter nicht gerechnet. Ein Mitarbeiter des schwäbischen Designers Hugo Boss erkundigte sich nach dem Stadtbad in der Oderberger Straße. Man sei auf der Suche nach einem tollen Ort für eine Modenschau. Der Gedanke gefiel Holtfreter, Chef der Genossenschaft "Stadtbad Oderberger Straße": Ein Laufsteg würde sich in dem 1986 trocken gelegten Becken gut machen. Holtfreter hat auch schon Anmeldungen für eine Oper und ein Theaterstück, für Ausstellungen und sogar für eine Trauung in dem alten Bad. Für ein Jahr wird sich das graue Gemäuer an der Oderberger Straße zu einem Kultur- und Veranstaltungsort verwandeln, bevor es dort mit der Sanierung los geht. Seit Freitag ist die Genossenschaft Eigentümerin des seit dem 1. Februar 1902 bestehenden Stadtbades. 100 000 Euro hat sie als Kaufpreis an den Liegenschaftsfonds des Landes Berlin überwiesen. Damit hat sie ihr erstes Ziel erreicht: Denn seit zehn Jahren bemühen sich Anwohner der Oderberger Straße darum, dass das Stadtbad, das seit 1986 trocken liegt, wieder eröffnet wird. Der Bezirk und die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung sowie Wirtschaft hatten sich schließlich für den Verkauf an die Genossenschaft zu übertragen. Betreiber kommt aus der Schweiz Entscheidend dafür waren unter anderem die Pläne für die Nutzung: Das Gebäude wird nicht nur denkmalgerecht saniert. Es soll dann zu einer Art Wellness-Tempel werden - eine Saunalandschaft, ein Wellness- und-Fitness-Center, ein Restaurant sowie mehrere Läden sind geplant. Mit dem Schweizer Badtechnik-Ausstatter Harald Kannewischer steht auch der künftige Betreiber für die einstige Volksbadeanstalt fest: Mindestens zehn Jahre lang will der Unternehmer aus dem Ort Zug das Bad mieten und 40 neue Arbeitsplätze zu schaffen. "Solche Garantie ist wichtig, damit wir Kredite aufnehmen können", sagt Genossenschafts-Chef Holtfreter. Nach den Planungen kostet die Sanierung des vom damaligen Berliner Stadtbaudirektor Ludwig Hoffmann entworfenen Bades rund 17,4 Millionen Euro. Ein Drittel des Geldes soll von der Bank kommen, ein weiteres Drittel erhofft sich die Genossenschaft aus EU-Fördermitteln. Den Restbetrag sollen Privatleute aufbringen, die Anteile in einem Immobilienfonds zeichnen. In den nächsten Monaten soll das Finanzierungskonzept entwickelt werden. Bis dahin will die inzwischen auf 900 Mitglieder gewachsene Genossenschaft ein Architekturbüro mit der Sanierungsplanung beauftragen. "Wenn alles klappt, können wir das Bad 2005 eröffnen", sagt Holtfreter. Als Erstes will er in ein paar Monaten die alte, seit Jahren geschlossene Sauna wieder in Betrieb nehmen: "Die steht dann den Bauarbeitern und unseren Mitgliedern zur Verfügung.
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Tagesspiegel 02.02. 2002 Stadtbad Oderberger Straße vor der Sanierung / Genossenschaft übernimmt
Gebäude / Anbaden für das Jahr 2005 geplant Wie schön, wenn man zum 100. Geburtstag den Schlüssel für ein zweites Leben geschenkt bekommt. Dem historischen Bad in der Oderberger Straße ist dies Glück vergönnt: Am Freitagabend überreichte der Geschäftsführer des Berliner Liegenschaftsfonds, Holger Lippmann, den Schlüssel an Bernd Holtfreter von der "Genossenschaft Stadtbad Oderberger Straße e.G.Ü. Auf den Tag genau ein Jahrhundert nach der Eröffnung gehört das denkmalgeschützte Gebäude nun der Initiative, die sich seit elf Jahren um seine Rettung bemüht. Gemeinsam mit dem Schweizer Bäderbetreiber Harald Kannewischer haben die
Mitglieder - rund 750 sollen es sein - ein Sanierungskonzept entwickelt,
nach dem im Jahr 2005 wieder Wasser ins Schwimmbecken einlaufen soll.
Seit 1986 ist das prächtige Bad, dessen Inneres mit seinen reich verzierten
Säulen, Wandelgängen und der Kreuzgratdecke wie eine Kirche anmutet, wegen
Baumängeln geschlossen. Wellen schlug seitdem allenfalls der Zoff um die
Sanierung. Der Putz bröckelt, die Farbe blättert. Nur die Graffiti-Schmierereien
an Fassade und Fenstern sehen relativ frisch aus.
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Tagesspiegel 09.01.2002 Der Wassermann - Bernd Holtfreter will das einmalige Stadtbad an der Oderberger Straße retten Bernd Holtfreter ist auf der Suche. Irgendwo in Kaulsdorf sollen sie lagern, die beiden gusseisernen Tore, die früher das Stadtbad in der Oderberger Straße schmückten. Rechts lag das für die Mädchen und links das für die Jungen. Bevor das Stadtbad bezahlt wird, sollen die Tore gefunden sein. Noch in diesem Monat will die Genossenschaft "Stadtbad Oberberger Straße" die 135 000 Euro überweisen, um dann das 100-jährige Jubiläum der Eröffnung des Bades am 1. Februar richtig feiern zu können. Grund genug gibt es: Seit fast 15 Jahren ist das Bad geschlossen, aber noch nie schien es der Wiedereröffnung so nahe wie jetzt. Im Jahr 1902 wurde das Bad in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. feierlich eröffnet. Der prachtvolle Bau war nicht nur Volksbad, sondern vor allem Waschgelegenheit für die Bevölkerung. Mitte der achtziger Jahre wurde ein neuer Schornstein gebaut. Der war allerdings so schwer, dass er Risse im Schwimmbecken und in den Wänden verursachte. Am 10. Dezember 1986 wurde das Bad geschlossen. Noch am selben Tag gründete sich eine Anwohnergruppe, die sich für eine Wiedereröffnung einsetzte. Bernd Holtfreter gehörte von Anfang an dazu. Er hat die jüngere Geschichte des Bades genau im Kopf. So plante schon der Ost-Berliner Magistrat 1987 eine Sanierung, mit der 1990 begonnen werden sollte. Dazwischen kam die Wende. Ein vom Senat beauftragter Architekt veranschlagte 45 Millionen Mark für die Sanierung, die 1996 beginnen sollte. Diesmal kam die Olympiabewerbung dazwischen. Neue Hallen wurden gebaut, für das Bad hatte die Stadt kein Geld mehr. 1995 gründete sich die Bürgerinitiative "Stadtbad Oderberger Straße" und erarbeitete eine abgespeckte Version ohne Whirlpools und Glasdächer für 28 Millionen Mark. Noch immer floss kein Geld von der Stadt. Der Kreis um Holtfreter plante eine zweite Version, diesmal mit einem integrierten Jugendhotel, damit sich das Bad später selbst tragen kann. Die Kosten für die Sanierung lagen nun bei 34 Millionen Mark, ein Finanzierungskonzept lieferte die Initiative mit. Ohne Erfolg, denn der Senat der mittlerweile bankrotten Stadt strich das Bad aus der Investitionsliste. Die Initiative suchte und fand andere Investoren. 35 Millionen Mark sollte die Sanierung in der dritten Version kosten: 15 Millionen Mark Kredit, zehn Millionen von der EU und weitere zehn Millionen aus einem Immobilienfonds. Im vergangenen Jahr wurde aus der Bürgerinitiative eine Genossenschaft - und die hat neben mehreren hundert Mitgliedern inzwischen auch einen Betreiber für das Bad gefunden: den Schweizer Harald Kannewischer. Der verdient sein Geld hauptberuflich als Ingenieur für Badtechnik und arbeitete an allen drei Sanierungsentwürfen der Bürgerinitiative mit. Ein Idealpartner also. Dass es mit Kannewischer während der Nutzung später Streit geben könnte, schließt Holtfreter, der lange Zeit gegen ein Luxusbad in der Oderberger Straße kämpfte, aus. Das jetzt geplante Bad mit Saunalandschaft und Whirlpools ist ein Kompromiss. Schließlich hätten sich mit den Bewohnern des Bezirkes auch deren Bedürfnisse geändert. Heute darf es ein bisschen mehr Luxus sein. Seit 30 Jahren wohnt der gelernte Landvermesser in der Oderberger Straße. Mit der Bürgerinitiative organisierte er im Stadtbad schon zahlreiche Veranstaltungen - um das Baudenkmal im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu halten, und weil es natürlich ein schöner Ort für Partys war. Dass er seit 1995 als baupolitischer Sprecher für die PDS im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt, hat neben politischen auch praktische Gründe. Er wisse immer, wer wo was bearbeite und kenne die Hintergründe. Noch ist dem Bad der zukünftige Luxus nicht anzusehen, lediglich der Prunk der Vergangenheit lässt sich erahnen: Großzügig fällt das Tageslicht durch die weiten Fenster auf das Schwimmbecken, die Galerie unter der verzierten Kreuzgratdecke ist einzigartig in einem Berliner Bad. Doch der Putz bröckelt, im Fußboden sind Löcher, an den Fenstern Graffiti. Und wenn das Bad nicht bald beheizt wird, droht die Gipsdecke herabzustürzen. In den ehemaligen Badzellen stehen verschmutzte Badewannen. Ein paar davon will die Genossenschaft zur Anschauung erhalten. Der Rest werde für die Saunalandschaft hergerichtet. In diesem Jahr wird die Sanierung des Bades in allen Details geplant, im nächsten kann es dann losgehen. Im Jahr 2005 soll das Bad wiedereröffnen. Und was macht Kiezaktivist Holtfreter, wenn sein größtes Projekt realisiert ist? Es gebe noch genug zu tun, sagt er. Da wäre etwa das ehemalige Schulgelände nebenan. Wenn das Bad gut läuft, könnte man auch aus dem benachbarten Areal etwas machen. Ein Hotel vielleicht. Aber erst muss Holtfreter die Tore zum Stadtbad finden. |
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